20 Jahre Arbeitsgemeinschaft "Berchtesgaden hilft Rumänien"
Die Arbeitsgemeinschaft "Berchtesgaden hilft Rumänien" feiert im Februar
ihr 20-jähriges Bestehen. Unmittelbar nach der Wende wurde im Jahre
1990 die Arbeitsgemeinschaft „Berchtesgaden hilft Rumänien“ gegründet.
Sie war bis zum 31. Dezember 2000 eine kirchliche Hilfsorganisation,
der Pfarrer Dr. Wolfgang Höhne, Prälat Dr. Walter Brugger und Landrat
Martin Seidl vorstanden und die verantwortlich von Herta und Arnold Eder
geleitet wurde. Seit dem 1. Januar 2001 ist die Arbeitsgemeinschaft ein eingetragener
Verein. Die Arge wird überwiegend von Spendern und Helfern aus den Pfarreien
Berchtesgaden, Bischofswiesen, Ramsau, Schönau am Königssee und
Winkl, aber auch aus Freilassing getragen.
Chronik bisheriger Hilfsaktionen (Auszug aus einer elfseitigen Zusammenstellung):
Im Februar 1990 fuhr der erste Hilfstransport nach Bakowa. Zwölf Personen
(u.a. Pfarrer Dr. Wolfgang Höhne) begleiteten fünf Fahrzeuge, darunter
drei LKW`s und ein Sattelschlepper. Geladen waren u. a. Medikamente (55000
DM), Bekleidung , medizinische Geräte, 225 Baby – Pakete und 564 Lebensmittelpakete
für Bakowa (Wert 43000 DM). Jedes Haus erhielt ein Paket, in den meisten
befand sich ein Brief des Absenders, so dass persönliche Kontakte entstanden,
die zum Teil heute noch bestehen. Die Hilfslieferungen wurden mit Ortspfarrer
Otto Barth und seinem Pfarrgemeinderat abgestimmt.
Die umfangreichste Hilfslieferung (fünf LKW`s) erfolgte im Mai 1990.
Dabei wurden u.a. ein komplett ausgestatteter Krankenwagen, zwei Röntgenstationen,
Krankenhausbetten und Krankenhausmobiliar für das Krankenhaus in Busiasch,
Medikamente und erneut Lebensmittelpakete für Bakowa transportiert.
Im Mai 1990 fand eine Benefizveranstaltung der Berchtesgadener Sänger
und Musikanten und der vereinigten Trachten- und Schützenvereine im
vollbesetzten Kurhaus zugunsten des Waisenhauses in Gavojdia statt. Der Erlös
betrug 12.000 DM. Mit dem Betrag wurden eine Industriewaschmaschine und eine
Gefriertruhe gekauft. Im November 1990 fuhr ein weiterer Hilfstransport mit
7 Personen (u.a. Vikar Witzel) und 3 Fahrzeugen (ein PKW, zwei LKW`s)
nach Rumänien. Der Transport bestand u.a. aus 300 Lebensmittelpaketen
im Wert von 23000 DM, Medikamenten und Nachtkästchen für das Krankenhaus
in Busiasch.
Im Dezember 1990 veranstaltete die Frauenrunde Unterstein einen Weihnachtsbasar,
der Erlös betrug 6000 DM. Aufgrund einer Weihnachtsaktion konnten Lebensmittel
im Wert von 24000 DM als adressierte Pakete nach Bakowa gebracht werden.
Im April 1991 wurden zwei komplette Zahnarztbehandlungseinheiten (Zahnarztstühle)
nach Bakowa gebracht.
Besonders erwähnt werden muss die Unterstützung durch die 4. Kompanie
des Gebirgsjägerbataillons 231 in der Strub. Seit Beginn der Aktion
im Februar 1990 wurden die Transportfahrzeuge stets von den Soldaten dieser
Kompanie beladen. Seit Dezember 1990 ist es möglich, über einen
privaten Transportdienst adressierte Pakete nach Bakowa zu schicken. Viele
Jahre konnten Hilfsgüter bei Josefa Eder im „alten Kino“ in der Schönau
gelagert und adressierte Pakete bei Inge und Eugen Kellner abgegeben werden.
Im September 1991 fand in Anwesenheit von Prälat Dr. Walter Brugger
aus Berchtesgaden, der Hauptzelebrant des Festgottesdienstes war, die feierliche
Einweihung des Altenheimes Bakowa durch den Temeswarer Bischof Sebastian
Kräuter statt. In den Jahren 1991 und 1992 spendete die Ottobrunner
Diakonieschwesternschaft einen Betrag von 9500 DM.
Bald nach der Eröffnung des Altenheimes wurde im Januar 1992 ein neuer
Schritt gewagt. Bürger aus dem Berchtesgadener Land übernehmen
seit damals durch Patenschaften die Kosten für die Vollverpflegung
von bis zu 47 Bedürftigen (Frühstück, Mittag- und Abendessen
– jetzt monatlich 18 €/Person). Das Essen wird in der Küche des
Altenheimes Bakowa zubereitet.
Seit 1997 erhalten zusätzlich 35 bedürftige rumänische Kinder
aus Bakowa ein warmes Mittagessen, für das ein Pate jetzt monatlich
15 €/Kind bezahlt. Den gleichen Betrag bezahlt man für eine „Essen
auf Rädern“- Patenschaft für Bedürftige in Temeswar, deren
Mahlzeiten in der Küche des Adam-Müller- Guttenbrunn Altenheimes
zubereitet werden.
Im Mai 2000 wurde der Arge eine besondere Ehre zuteil. Als Zeichen der Anerkennung
wurden deren Vertreter vom bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber
zum Staatsempfang eingeladen. Im Juni 2000 nahmen Vertreter an einem Treffen
mit der damaligen bayerischen Sozialministerin Barbara Stamm teil. In einem
persönlichen Schreiben sprach die Ministerin ebenfalls ihre Anerkennung
für die Leistungen der Arge aus. Im Jahre 2002 führte die Pfarrei
Bischofswiesen einen Sponsorenlauf für bedürftige Kinder in Bakowa
durch. Der Erlös betrug 4685 Euro. Der Arbeitskreis Jugend der Pfarrei
Bischofswiesen und der Pfarrgemeinderat Winkl schicken seit 2007 über
die Arge Weihnachtssäckchen an alle 155 Schulkinder in Bakowa. Die Kindertagesstätte
Bischofswiesen – Winkl spendete 2009 erstmals Weihnachtssäckchen für
alle 75 Kinder des Kindergartens in Bakowa.
Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat 2009 Helmut Weinschrott,
Direktor der Altenheime in Temeswar und Bakowa, mit dem Verdienstkreuz
der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Helmut Weinschrott wurde für
sein tatkräftiges soziales Engagement und den Beitrag an der Vertiefung
der deutsch-rumänischen Beziehungen gewürdigt. Ebenfalls 2009 wurden
Helmut Weinschrott und Arnold Eder für langjährige Verdienste vom
Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Bernhard Krastl
mit der Verdienstmedaille der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Gold
ausgezeichnet. Die in Deutschland erscheinende „Banater Post“ vom 5. Januar
2010 schreibt dazu: „Arnold Eder versteht die Auszeichnung als hohe Wertschätzung,
die nicht allein ihm, sondern dem beherzten Wirken aller Mitglieder des Hilfsvereins
im Berchtesgadener Land gilt. Durch ihren Einsatz konnte eine sehr effektive
und substanzielle Hilfestellung auf- und ausgebaut werden ... Das auf Nachhaltigkeit
setzende Hilfsprogramm der Arbeitsgemeinschaft aus Berchtesgaden zählt
zu den beispielhaft funktionierenden Maßnahmen zur Unterstützung
unserer Landsleute im Banat.“
Das Führungsteam der Arge besteht aus folgenden Personen: Vorsitzender
Arnold Eder (Bischofswiesen), stellvertretende Vorsitzende Herta Eder (Bischofswiesen),
Beisitzer Alois Resch (Ramsau), Schriftführerin Petra Tremblau (Berchtesgaden),
Schatzmeisterin Josefa Eder (Schönau a.K.), 1. Rechnungsprüfer
Walter Parma (Bischofswiesen) und Christa Angerer (Schönau a.K.). Zusammen
mit Andrea Huber (Winkl), Marianne Moderegger (Winkl), Ute Scherer (Berchtesgaden),
Brigitte Wimmer (Ramsau) und Johanna Zechmeister (Ramsau) vertritt das zwölfköpfige
Team fast alle Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels.
Abschließend möchte sich die Arge bei allen Helfern, Pfarreien(
u.a. Frauenbund Unterstein, Familienkreis Ramsau, Pfarrgemeinderat von Bischofswiesen
und Winkl) und Vereinen bedanken, die in den 20 Jahren die Bedürftigen
in Bakowa, Busiasch, Gavojdia und Temeswar unterstützt haben. Bedanken
will sich die Arge auch bei Uli Kastner vom Berchtesgadener Anzeiger für
die langjährige Berichterstattung. Der größte Dank gebührt
aber den Paten, die seit vielen Jahren die Kosten für die derzeit 105
Patenschaften tragen. Ein ebenso großer Dank gebührt Familie Anni
und Helmut Weinschrott, ohne sie wäre die Verwirklichung der Hilfen
vor Ort nicht möglich gewesen.
Rumänien ist seit 2007 Mitglied der EU. Für die Mehrheit der Bevölkerung
hat sich die wirtschaftliche Lage dadurch nicht verbessert, da die Kluft
zwischen Preisen und Renten/Löhnen noch größer geworden ist.
Rumänien ist nach Ungarn und Lettland das dritte EU-Mitglied, das einen
Notkredit erhält. Die Arbeitslosigkeit steigt, die rumänische Währung
Leu sinkt. Für die alten und jungen Patenkinder ist auch nach 20 Jahren
weiterhin Hilfe nötig.
Informationen zur Arbeitsgemeinschaft „Berchtesgaden hilft Rumänien“
e.V. gibt es bei Herta und Arnold Eder unter Tel. 08652 8362.
Hier Fotos der Hilfstransporte:
Bild 1: Im Februar 1990 fand der erste Hilfstransport mit 12 Personen (u.a.
Pfarrer Dr. Höhne) und fünf Fahrzeugen statt. Alte alleinstehende
Frauen holen sich ihre Lebensmittelpakete ab.
Bild 2: Der Berchtesgadener Hilfskonvoi im Mai 1990 mit 15 Personen
und sieben Fahrzeugen in einer Seitenstraße in Bakowa, im Hintergrund
die r.k. Dorfkirche.
Herta Eder